1.4 Warum handgeschriebener Quellcode?

Bevor Sie mit einem Konzept, grafischen Überlegungen oder sogar der Umsetzung beginnen können ist es wichtig, dass Sie sich Gedanken über die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten einer Webseite machen. Gemeint ist damit vor allem die Frage, wie Sie Ihre Webseite aufbauen wollen und welches Grundgerüst Sie verwenden möchten. Wie es der Titel dieses Kapitels bereits verrät soll es hier um die Fragestellung gehen, warum ich für diese Webseite auf handgeschriebenen Quellcode setze und auf bereits bestehende Systeme oder auf Programme wie Dreamweaver und Co. verzichte.

Die Möglichkeiten

Bekanntermaßen führen viele Wege nach Rom und so ist es auch bei der Entwicklung einer Webseite. Im Folgenden werden 3 verschiedene Varianten erläutert, mit denen Sie sich Ihre eigene Webseite erstellen können.

Variante 1 - WYSIWYG

Bei "What you see is what you get" spricht man im Allgemeinen von Editoren wie etwa Adobe Dreamweaver (ehemals Macromedia Dreamweaver) oder Microsoft Frontpage. Damit können Sie sich Ihre Webseite zusammenklicken und erhalten entsprechend der Bezeichnung genau das, was Sie sehen. Vergleichbar sind solche Editoren beispielsweise mit Microsoft Word, in dem Sie Text markieren und über einen entsprechenden Button fett markieren können.
Sicherlich handelt es sich dabei um eine der einfachsten Arten eine Webseite zu entwickeln, diese weist allerdings auch die meisten Nachteile auf. Ein Hauptargument ist es zum Beispiel, dass Sie nur wenig Kontrolle über den Quellcode haben, den das Programm für Sie generiert, denn nichts anderes tut dieses Programm. Sie markieren eine Textpassage und ändern die Textfarbe auf rot. Das ist es was Sie sehen, aber letztendlich erzeugt das Programm den entsprechenden HTML- und CSS-Quellcode der dafür sorgt, dass diese Passage andersfarblich erscheint. Wie genau der Quellcode dafür aussieht ist für Sie jedoch nicht kontrollierbar. Zudem neigen WYSIWYG-Editoren besonders bei vielen Änderungen zu Fehlern, da nicht mehr benötigter Quellcode oftmals nicht vollständig entfernt wird.

Variante 2 - CMS

Ein Content Management System ermöglicht Ihnen die Verwaltung einer Webseite ohne dass Sie sich mit der Entwicklung einer Webseite auskennen, zumindest genau dann, wenn die Webseite bereits fertig ist. Die Verwendung eines CMS ist für jedermann gedacht, so dass die Webseite etwa einmalig von einem Profi erstellt und anschließend von Ihnen selbst mit Inhalten befüllt und angepasst werden kann. Das Grundlayout ist dabei fest und kann in der Regel nur minimal verändert werden. Wo Sie bei WYSIWYG-Editoren noch die vollständige Freiheit über Ihr Layout hatten, haben Sie diese bei Content Management Systemen nur dann, wenn Sie das System vollständig selbst aufsetzen und an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen.
Ein CMS ist in der Regel zwar einfach in der Handhabung, die Anpassungen erfordern aber oftmals ein deutlich fortgeschritteneres Wissen über verschiedene Webtechnologien.

Variante 3 - Eigenentwicklung

Neben der Möglichkeit, eine Webseite über einen WYSIWYG-Editor zusammen zu bauen oder auf bereits bestehende Systeme zurückzugreifen um diese anzupassen, gibt es selbstverständlich noch die Möglichkeit, eine Webseite von Anfang an selbst zu entwickeln. Dies mag nicht immer die schnellste Methodik sein, aber dafür haben Sie die volle Kontrolle über das was Sie tun und wie die Webseite später aussehen bzw. funktionieren soll. Dazu reicht in der Regel ein einfacher Text-Editor, über den Sie den Quelltext für Ihre Webseite schreiben können. Das Ergebnis können Sie während der Umsetzung in einem Browser Ihrer Wahl überprüfen.

Die Qual der Wahl

Jede der 3 genannten Varianten hat Vor- und Nachteile, die es vor der Entwicklung abzuwägen gilt. Variante 1 ist nur dann zu empfehlen, wenn Sie wirklich kurzfristig eine Webseite benötigen und sich wenig bis gar nicht mit HTML und CSS auskennen. Anderenfalls sollten Sie auf diese Variante verzichten. Variante 2 bietet sich auch für den professionellen Einsatz an, erfordert jedoch ein tiefgehendes Wissen und die Motivation, sich in ein großes bereits bestehendes System einzulesen und dieses anzupassen.
Die letzte Variante ist die, die ich in diesem Tutorial erläutern werde, damit Sie lernen, wie Sie Webseiten vollständig selbst entwickeln können.

Zurück zum Thema

Nachdem die Frage geklärt ist wie Sie eine Webseite generell entwickeln können, kann ich Ihnen auch die eigentliche Fragestellung dieses Kapitels näher erläutern. Handgeschriebener bzw. eigener Quellcode ist zwar wie bereits vermerkt die oftmals aufwändigste Variante, dafür weist diese jedoch einige Vorteile auf, die für mich persönlich überwiegen.

1. Kontrolle

Sie haben zu jederzeit die volle Kontrolle über das was Sie entwickeln. Sie sind demnach nicht auf andere Systeme und deren Funktionalitäten angewiesen.

2. Wartbarkeit

Diese Thematik wird häufig unterschätzt, aber nur wer seine Webseite regelmäßig erweitert und mit frischen Inhalten befüllt, kann auf wiederkehrende Benutzer setzen. Die Wartung von Software macht in der Regel den Großteil der gesamten Entwicklung aus. Haben Sie Ihren Quellcode selbst geschrieben, so wissen Sie genau an welchen Stellen Sie schauen müssen um die gewünschten Änderungen zu erzielen.

3. Suchmaschinenoptimierung

Sauberer Quellcode bedeutet auch, dass dieser von Google und Co. besser indizierbar ist.

4. Darstellung in verschiedenen Browsern

Eines der größten Probleme eines jeden Webdesigners ist die Anforderung, dass die Webseite in allen Browsern (Firefox, Internet Explorer, Opera usw.) möglichst gleich aussieht. Dies ist vor allem bei aufwändigeren Layouts mit WYSIWYG-Editoren kaum möglich, so dass Sie auch hier letztendlich den Quellcode entsprechend anpassen müssen.

5. Wiederverwendbarkeit

Sollten Sie stets sehr ähnliche Webseiten entwickeln und lediglich grafische Änderungen vornehmen, so ist selbst geschriebener Quellcode sogar eine sehr schnelle Art der Webseiten-Entwicklung. Mit der Zeit haben Sie in der Regel ein gewisses Repertoire an Funktionen und Designelementen, die Sie teilweise erneut verwenden können, was wiederum Zeit spart.
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